Sonntag, der 1. August 2010 ++ 01:55 Uhr

Montag, den 11. Januar 2010 um 15:02 Uhr

Anti-Aging: Nutzen und Risiken genau abwägen

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Dem Alter ein Schnippchen schlagen und möglichst lange aktiv und lebensfroh bleiben - der verständliche Wunsch vieler Menschen nach einem Jungbrunnen hat zu einem wahren Anti-Aging-Boom in Deutschland geführt. Die Alten von heute sind dynamisch und vor allem faltenfrei. Dieses von den Medien gezeichnete Bild erzeugt aber auch Druck, diesem Ideal zu entsprechen. „Die Menschen unserer Gesellschaft leben deutlich länger, altersbezogen dynamischer, lebensfroher und gesünder. Die 60-jährigen von heute fühlen sich so gut wie unseren Großeltern mit 45 Jahren“, sagte Dr. Johannes C. Bruck von der Klinik für Plastische Chirurgie am Berliner Martin-Luther-Krankenhaus beim 34. Interdisziplinären Forum „Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“ der Bundesärztekammer in Berlin. Sie fürchteten aber mit 60 Jahren so auszusehen, wie sie die Großeltern mit 75 Jahren in Erinnerung haben und verbänden damit eine soziale Isolation.

Nach Ansicht des Chirurgen kann der Einsatz moderner Medizin unter Umständen gerechtfertigt sein, um Menschen von einem vermeintlichen Stigma zu befreien. Die Indikationen für einen modernen „formverbessernden“ chirurgischen Eingriff seien mitunter vielfältig und aus einer Fülle gesellschaftlicher, sozialer oder auch medizinischer Motivationen geprägt. Hier könne Hilfe auch durch plastisch chirurgische Eingriffe angebracht sein – allerdings nur nach vorheriger individueller Abwägung von Risiko und Ergebnis, so der Mediziner. Durch eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit sei das Verständnis des Alterungsprozesses gewachsen und hätten sich neue und sichere Operationsverfahren entwickelt.

Neben plastisch-chirurgischen Eingriffen umfasst Anti-Aging individuelle Programme, mit denen Lebensqualität und Gesundheit bis in das hohe Alter erhalten werden sollen. Zu diesen Angeboten gehören etwa Behandlungen mit Hormonen, ernährungsmedizinische Empfehlungen oder Bewegungsprogramme. Über Möglichkeiten und Gefahren von Hormonbehandlungen informierte auf dem Forum Dr. Cornelia Jaursch-Hancke von der Stiftung deutsche Klinik für Diagnostik: „In den USA werden einzelne Hormone wie das Nebennierenhormon DHEA im Supermarkt als ‚Anti-Aging-Waffe’ verkauft“, berichtete sie. Dabei basierten die so genannten Anti-Aging-Protokolle auf der Vorstellung, zwischen der altersabhängigen Abnahme von Hormonen und funktionellen Einbußen mit zunehmendem Alter bestehe ein kausaler Zusammenhang.

Tatsächlich gebe es keinen Zweifel, dass die Serumkonzentration verschiedener Hormone mit zunehmendem Alter abnimmt. Am längsten und am besten untersucht sei dies für die weiblichen Hormone bei Frauen. Mit Erreichen der Menopause sinke die Östrogenkonzentration dramatisch ab. Typische dadurch verursachte klimakterische Beschwerden wie Hitzewallungen und Schlafstörungen würden unter einer Hormontherapie in der Menopause gebessert. „Kosmetische Wirkungen, gutes Aussehen und Anti-Alterungs-Effekte wurden bisher aber nur anekdotisch beschrieben“, berichtete Jaursch-Hancke. „Die Risiken hinsichtlich Brustkrebs und kardiovaskulärer Erkrankungen überwiegen.“

Es gebe aber gute Evidenz, dass eine Therapie mit Testosteron bei älteren Frauen einen positiven Effekt auf das allgemeine Wohlbefinden und die Sexualität hat. Auch bei den meisten Männern kommt es mit zunehmendem Alter zu einem relativen Testosteronmangel, womit häufig Übergewicht und Diabetes mellitus verbunden sind. Eine Testosteron-Behandlung habe bei diesen Patienten einen günstigen Effekt auf die Stoffwechselsituation. Es seien aber weitere Studien nötig, so die Expertin.

Quelle: 

Bundesärztekammer - Pressemitteilung vom 08.01.2010



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