Fremdbesitzverbot (§ 8 ApoG)
Apothekenrecht
Seit Bestehen des ApoG dürfen nur Apotheker Apotheken betreiben
Die dm-med-Klage 2026 stellt diesen Grundsatz erstmals seit dem EuGH-Urteil von 2009 wieder auf die Probe.
Das Fremdbesitzverbot nach Paragraf 8 Apothekengesetz (ApoG) schreibt vor, dass eine Apotheke nur von einer approbierten Apothekerin oder einem approbierten Apotheker in eigener Verantwortung betrieben werden darf. Kapitalgesellschaften, Investoren oder branchenfremde Unternehmen dürfen keine Apotheke besitzen oder betreiben. Die Klage der dm-Tochter dm-med gegen dieses Verbot hat das Thema 2026 erneut in den Fokus gerückt.
Was das Fremdbesitzverbot regelt
Paragraf 8 ApoG bestimmt, dass eine Apotheke nur von einer natürlichen Person mit Approbation als Apothekerin oder Apotheker betrieben werden darf, in eigener fachlicher und wirtschaftlicher Verantwortung. Eine Betriebserlaubnis für Kapitalgesellschaften wie GmbHs oder Aktiengesellschaften sieht das Gesetz nicht vor.
Damit unterscheidet sich der deutsche Apothekenmarkt strukturell von vielen europäischen Nachbarländern, in denen Kettenmodelle mit Fremdkapital üblich sind.
Wichtig zur Einordnung: Vom Mehrbesitzverbot zu unterscheiden ist das eng verwandte Mehrbesitzrecht. Ein Apotheker darf bis zu drei Filialapotheken zusätzlich zur Hauptapotheke betreiben, muss aber auch diese vollständig in eigener Verantwortung führen.
Warum es das Fremdbesitzverbot gibt
Der Gesetzgeber will mit dem Fremdbesitzverbot verhindern, dass rein wirtschaftliche Renditeinteressen die heilberufliche Unabhängigkeit der Apothekerinnen und Apotheker beeinflussen. Wer selbst Eigentümer und fachlich Verantwortlicher zugleich ist, soll unternehmerische Entscheidungen nicht gegen die Arzneimittelsicherheit der Patienten treffen.
Ein weiteres Argument ist die flächendeckende Versorgung: Inhabergeführte Apotheken sollen auch in wirtschaftlich weniger attraktiven Regionen bestehen bleiben, was bei rein renditeorientierten Kettenstrukturen nach Einschätzung des Gesetzgebers weniger gewährleistet wäre.
Die EuGH-Rechtsprechung zum Fremdbesitzverbot
Der Europäische Gerichtshof hat das deutsche Fremdbesitzverbot bereits 2009 grundsätzlich gebilligt: Die Beschränkung der Niederlassungsfreiheit sei durch das Ziel einer sicheren und qualitativ hochwertigen Arzneimittelversorgung gerechtfertigt und verhältnismäßig.
Wichtig zur Einordnung: Diese Entscheidung betraf die grundsätzliche Zulässigkeit des Verbots, nicht jede denkbare Ausgestaltung von Beteiligungsmodellen. Neue Konstruktionen über ausländische Gesellschaftsformen können deshalb erneut gerichtlich geprüft werden.
Aktuelle Entwicklung: die dm-med-Klage
Die dm-Tochtergesellschaft dm-med hat 2026 ein Modell vorgestellt, mit dem sie über eine tschechische Struktur Apotheken in Deutschland betreiben möchte, und klagt gegen die Untersagung durch die zuständige Behörde. Der Fall prüft, ob EU-Niederlassungsfreiheit und grenzüberschreitende Gesellschaftsstrukturen das deutsche Fremdbesitzverbot in bestimmten Konstellationen unterlaufen können.
Der Ausgang des Verfahrens ist offen. Er hat aber Signalwirkung für den gesamten Apothekenmarkt, weil ähnliche Modelle bei einem Erfolg der Klage schnell Nachahmer finden dürften.
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Wie Fremdbesitzverbot und Mehrbesitzrecht zusammenspielen
Das Mehrbesitzrecht erlaubt einer Apothekerin oder einem Apotheker, neben der Hauptapotheke bis zu drei Filialapotheken zu betreiben. Das Fremdbesitzverbot bleibt davon unberührt: Auch alle Filialen müssen vollständig in der fachlichen und wirtschaftlichen Verantwortung derselben approbierten Person stehen.
Eine Filialstruktur ersetzt also keine Kapitalbeteiligung Dritter, sie erweitert lediglich die zulässige Anzahl an Betriebsstätten desselben Apothekers.
Worauf bei Beteiligungsmodellen im Apothekenmarkt zu achten ist
Was einen sorgfältigen Umgang mit dem Fremdbesitzverbot ausmacht, in vier Prüfsteinen.
Vier Schritte, zum Durchtippen
Klare Verantwortung sicherstellen.
Maßgeblich ist nicht nur die formale, sondern auch die tatsächliche Entscheidungsgewalt über den Apothekenbetrieb.
Hilft Eigentümerstruktur eindeutig auf eine approbierte, verantwortliche Person zuschneiden.
Stolperfalle Kapitalgeber über Umwegkonstruktionen faktisch Mitspracherechte einräumen.
EU-Strukturen sorgfältig prüfen.
Auslandskonstruktionen stehen derzeit im Zentrum der gerichtlichen Auseinandersetzung um das Fremdbesitzverbot.
Hilft Grenzüberschreitende Gesellschaftsmodelle vorab rechtlich prüfen lassen.
Stolperfalle Ein ausländisches Konstrukt unreflektiert als Umgehungslösung nutzen.
Verantwortlichkeiten sauber trennen.
Auch vertragliche Konstruktionen ohne formale Beteiligung können als faktischer Fremdbesitz gewertet werden.
Hilft Kooperationsverträge mit Dienstleistern klar von Eigentums- oder Weisungsrechten abgrenzen.
Stolperfalle Dienstleistungsverträge mit faktischen Mitentscheidungsrechten über den Apothekenbetrieb ausgestalten.
Verfahrensausgänge abwarten.
Solange die dm-med-Klage nicht entschieden ist, bleibt die Rechtslage für neuartige Beteiligungsmodelle unsicher.
Hilft Den Ausgang laufender Verfahren wie der dm-med-Klage systematisch verfolgen.
Stolperfalle Geschäftsmodelle auf Basis eines noch nicht rechtskräftigen Verfahrensausgangs aufbauen.
Zeitleiste
Wie sich das Fremdbesitzverbot bewährte
Vom Grundprinzip des Apothekengesetzes zur aktuellen dm-med-Klage
- Seit Bestehen des ApoG
Fremdbesitzverbot als Grundprinzip
Das Apothekengesetz verankert von Beginn an, dass Apotheken nur von approbierten Apothekerinnen und Apothekern betrieben werden dürfen.
- 2009
EuGH bestätigt das Verbot
Der Europäische Gerichtshof bestätigt das deutsche Fremdbesitzverbot grundsätzlich als unionsrechtskonform.
- 2026
dm-med-Klage läuft
Die dm-Tochter dm-med klagt mit einem Modell über eine tschechische Struktur gegen die Untersagung durch die Behörde.
Bedeutung für den Apothekenmarkt
Für inhabergeführte Apotheken bedeutet das Fremdbesitzverbot strukturellen Bestandsschutz gegenüber kapitalstarken Ketten. Für Investoren und branchenfremde Unternehmen markiert es eine der letzten großen regulatorischen Hürden im deutschen Gesundheitsmarkt.
Sollte die dm-med-Klage oder ein ähnliches Verfahren Erfolg haben, könnte sich die Marktstruktur mittelfristig deutlich verändern, mit Folgen für Wettbewerb, Filialdichte und die Vergabe pharmazeutischer Dienstleistungen.
Typische Stolperfallen
Ein häufiger Irrtum ist, dass nur direkte Eigentumsanteile als Fremdbesitz gelten. Auch faktische Kontrolle über wirtschaftliche Entscheidungen, etwa durch weitreichende Weisungsrechte in Kooperationsverträgen, kann als unzulässiger Fremdbesitz gewertet werden.
Ebenso riskant ist die Annahme, ein ausländisches Gesellschaftsmodell sei automatisch vom deutschen Fremdbesitzverbot ausgenommen. Solange die Apotheke tatsächlich in Deutschland betrieben wird, gilt deutsches Apothekenrecht.
Beteiligungsmodelle rechtzeitig prüfen
Für Apothekerinnen, Apotheker und potenzielle Kooperationspartner lohnt sich eine frühzeitige Klärung von drei Fragen: Liegt die tatsächliche fachliche und wirtschaftliche Verantwortung vollständig bei einer approbierten Person? Enthalten Kooperationsverträge versteckte Mitentscheidungsrechte Dritter? Und ist ein geplantes Auslandsmodell mit der aktuellen Rechtsprechung vereinbar?
juravendis begleitet Apothekerinnen und Apotheker im Apothekenrecht bei Fragen zu Fremdbesitzverbot, Filialstrukturen und Kooperationsmodellen.
Nächster Schritt
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